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Verkürzer Bitly wandelt Links heimlich in Affiliate-URLs um

7.5.2015 - von - Affiliate Marketing 28 Kommentare

Bit.ly_Logo

Auf der Suche nach neuen Erlösmodellen hat sich der URL-Verkürzer Bitly mit einem Marketing-Dienstleister zusammengetan. Folge: Viele Kurz-Links werden für die Nutzer unbemerkt in Affiliate-URLs umgewandelt und zusätzliche Cookies gedroppt – auch in Deutschland.

Im Zeitalter sozialer Netzwerke, wo das Teilen spannender Inhalte alltäglich ist, erleben URL-Verkürzer einen nie dagewesenen Boom. Das New Yorker Unternehmen Bitly verzeichnet nach eigenen Angaben monatlich 8 Milliarden Klicks auf umgewandelte URLs, jeden Monat werden 600 Millionen neue URLs mit bit.ly umgewandelt. Neuerdings erfolgt allerdings nicht mehr jede Umwandlung 1:1.

Bitly hat sich mit Viglink zusammen getan, dessen Geschäftsmodell die kontextbasierte automatische Umwandlung von Text und bestehenden Links in Affiliate-URLs ist. Üblicherweise bekommen Website-Betreiber dabei eine Provision für über Links in eigenen Inhalten vermittelte Verkäufe bei Partner-Unternehmen (Merchants). Dazu zählen viele große Namen wie Amazon.com, Adidas.com und ebay.com.

Keinerlei Ankündigung, versteckte Hilfe-Seite

Seit kurzer Zeit lässt auch Bitly Links über Viglink in Affiliate-URLs umwandeln – und zwar genau jene monatlich 600 Millionen Links, die Bitly-Nutzer anlegen und verteilen. Eine öffentliche Ankündigung dieser Zusammenarbeit gab es nicht, über den „Bitly Affiliate Test“ informiert lediglich eine Support-Seite bei Bitly. Dem Fachblog The SEM Post zufolge wurde der Schalter wohl im Februar oder März dieses Jahres umgelegt.

Auch .de-Links werden umgewandelt

Seither werden Links von Bitly-Nutzern, die keinen Premium-Account bei dem Unternehmen haben, im Hintergrund in Affiliate-URLs umgewandelt. Das geschieht ohne jeglichen Hinweis und auch bei URLs auf deutsche Seiten.

Wir haben testweise einen Bitly-Link auf die Homepage des Reisevermittlers Expedia.de angelegt. Die automatisch vergebene URL lautet https://bitly.com/1cq7reT

Im Analytics-Bereich zu dieser URL (generell öffentlich einsehbar durch Anhängen von „+“ an Bitly-Links) gibt Bitly auch an, dass der Link-Code sauber auf expedia.de auflöst.

bitly expedia backend

Nach einem Klick auf diese URL genügt aber schon ein flüchtiger Blick auf die Adresszeile für die Erkenntnis, dass der Link über Tracking-Server umgeleitet wurde.

expedia bitly

Tatsächlich fangen sich Nutzer einen Cookie vom Werbenetzwerk Tradedoubler ein, mit dem Viglink hier offensichtlich zusammenarbeitet.

Bitly-Nutzer werden unwissentlich zu Cookie-Streuern

Das ist in vielfacher Hinsicht problematisch. Wer den Link zu einem Viglink-Partner mittels Bitly umwandelt, schiebt den Besuchern dieses Links völlig unwissentlich einen zusätzlichen Tracking-Cookie unter. Auch wer den Link anklickt, kann die Umleitung nicht ohne weiteres nachverfolgen. Und Webmaster, die selbst Teilnehmer von Partnerprogrammen sind, können über die Einbindung von Bitly-URLs sogar direkten finanziellen Schaden nehmen. Ihre Cookies werden durch die Cookies von Viglink ersetzt, am Ende verdienen nur der Dienstleister und Bitly an einem über die eigenen Kanäle vermittelten Verkauf.

Mangel an Transparenz

Bitly hat es nicht leicht: Das mit mehr als 30 Millionen US-Dollar Wagniskapital ausgestattete Unternehmen muss sich einerseits direkter Konkurrenten wie TinyURL, ow.ly (Hootsuite) und goo.gl (Google) erwehren. Andererseits kürzen soziale Netzwerke wie Twitter (die früher Bitly als Default-Verkürzer einsetzten) URLs immer häufiger eigentätig und machen externe „Stand-Alone-Dienste“ nahezu obsolet. Die Suche nach neuen Erlösmöglichkeiten abseits von Premium-Accounts und SaaS-Modellen (unter anderem lässt die New York Times ihren Verkürzer nyti.ms von Bitly betreiben) ist absolut legitim. Transparenz und Nutzer-Kontrolle sollten dabei allerdings nicht vollends auf der Strecke bleiben.

[Update 09.05.: Der oben genannte Bitly-Link zu Expedia löst inzwischen „sauber“ aus. Ein Statement von Bitly (über die verlinkte Support-Seite hinaus) zur Angelegenheit, die zwischenzeitlich einige Wellen geschlagen hat, steht noch aus. ]

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28 Antworten auf Verkürzer Bitly wandelt Links heimlich in Affiliate-URLs um

Richie 7. Mai 2015 um 18:58 Uhr

Um ehrlich zu sein: es wundert mich extrem, dass das *erst jetzt* passiert/passieren soll. Ich wüsste keine anderen Geschäftsmodelle, wie URL-Shortener überhaupt funktionieren sollen.
Hintergrund: zu gulli:board-Zeiten hatten wir exakt das mit dem anonym.to-Referrer-Anonymisierer gemacht. Gegen 2007, spätestens. Und btw. ziemlich Dresche gekriegt dafür, obgleich es grade im *Sinn* eines Anonymisierers ist, eben alles rauszuwerfen, was auf den Linksetzer hinweist. Schon damals war der Betrieb nicht ganz trivial, weil extrem viel extrem schlecht cachebarer Traffic über solche Dienste geht. Das wird heute viel leichter zu handlen sein, aber es bleibt die Frage, warum man sowas überhaupt anbieten und sich die Arbeit machen soll.

Antworten

Wuzzy 7. Mai 2015 um 19:14 Uhr

Diese ganzen URL-Kürzer sind doch totaler Müll, die braucht doch keine Sau. Das ist einfach wieder irgendein sinnloser Hype im Web.

Also es gibt eigentlich nur einen einzigen Grund, überhaupt URL-Shortener zu benutzen: Twitter (und Vergleichbares), wegen der Zeichenbegrenzung. Und Twitter hat ohnehin schon seinen eigenen Shortener. Wenn man aber keine Zeichengrenze hat, ist das Kürzen der URLs irgendwie unnötig; denn nicht ohne Grund wurden ja schließlich die Funktionen »Kopieren« und »Einfügen« erfunden. ;-)

URL-Shortener sind auch grundsätzlich riskant: Ja klar, erstmal dass der Betreiber in einer Nacht-und-Nebel-Aktion so eine Scheiße veranstaltet. Aber noch viel gefährlicher: Wenn irgendwann mal einer der großen URL-Kürzer wegbricht wegen Pleite, und das ist gar nicht mal so unwahrscheinlich, wird ein riesiger Teil von Weblinks auf einen Schlag kaputtgemacht.

Eigentlich sollte die Verwendung von URL-Kürzern allgemein und sozial geächtet werden; denn Erstens setzt man die Nutzer der Willkür einer (meist intransparenten) Zwischeninstanz aus und Zweitens nimmt man im Kauf, das der Link jederzeit kaputtgehen kann.
Die einzige legitime Ausnahme ist eine strikte Zeichenbegrenzung.

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Rolf 7. Mai 2015 um 19:53 Uhr

URL-Kürzer sind weder Müll noch sinnloser Hype. Sie haben eben einen ganz konkreten Einsatzzweck, der aber immer seltener wird.
In Zeiten von Zeichenbeschränkungen boten 10-Zeichen-KurzURLs einen deutlichen Vorteil gegen über den originalen URLs, die auch gerne mal 100 Zeichen haben können (je nachdem, wie viel SEO-Geschwafel mit drin ist). Bloß braucht man das eben heute kaum noch. Twitter kürzt wie im Beitrag erwähnt inzwischen automatisch (und berechnet nur die Länge der t.co-URL), und ansonsten fallen mir bloß noch Seiten mit strenger Zeichenbeschränkung bei den Kommentaren (z.B. Imgur mit 140 Zeichen) ein oder wenn man gelegentlich mal eine URL mit SMS verschicken möchte. Dann ist die gekürzte Variante nämlich auch handlicher.
Zur Verschleierung der eigenen Seite gegenüber einer verlinkten sind Dereferer meiner Meinung nach sinnvoller, zumal man diese mit einer schnell geschriebenen RegExp austausche kann, sollte der gewählte Dienst irgendwann nicht mehr existieren (in der Regel wird die Ziel-URL ja einfach angehängt).

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Seb 7. Mai 2015 um 20:17 Uhr

Link-Shortener haben auch einen konkreten Einsatzbereich um leichter merkbare Links zu verteilen. Man kann ja bei vielen Shortern auch einen eigenen Shortlink angeben.

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Ingo 8. Mai 2015 um 11:01 Uhr

URL-Kürzer sind sehr nützlich wenn lange Links in Zeitschriften gedruckt werden, da sie vom Lesen abgetippt werden müssen. Damit entgeht man i.d.R. auch dem Problem einen Zeilenumbruch im Link zu haben.
In Quellenangaben sollten die Links immer ausgeschrieben werden.

Antworten

xxx 9. Mai 2015 um 9:09 Uhr

Ich habe das mit dem angegebenen Beispiel eben versucht nachzuvollziehen. Aktuell scheint die abgedruckte bitly-url sauber ohne irgendwelchen Mist nach expedia zu führen:

$ wget –max-redirect=0 https://bitly.com/1cq7reT
–2015-05-09 09:06:48– https://bitly.com/1cq7reT
Auflösen des Hostnamen »bitly.com (bitly.com)«… 69.58.188.34, 69.58.188.33
Verbindungsaufbau zu bitly.com (bitly.com)|69.58.188.34|:443… verbunden.
HTTP-Anforderung gesendet, warte auf Antwort… 301 Moved Permanently
Platz: http://www.expedia.de/ [folge]
0: Die Anzahl der Verweise ist zu groß.

Antworten

Sara 9. Mai 2015 um 13:06 Uhr

Der „Fachdienstfür Online Marketing“ berichtet hier sehr subjektiv. Es ist ja keine Neuigkeit, die der Betreiber verschwiegen hat. Hier scheint der Schreiber wenig Ahnung zu haben, wie es im Online-Geschäft läuft.

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Johannes Haupt 9. Mai 2015 um 13:38 Uhr

Subjektiv in welcher Richtung? Einen konkurrierenden URL-Verkürzer betreiben wir jedenfalls nicht :-) Und: Die Resonanz auf diesen Artikel illustriert, dass die Info für sehr viele Menschen sehr wohl 1) neu 2) relevant 3) problematisch ist.

Ciao
Johannes

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Dennis Vorpahl 24. August 2015 um 18:00 Uhr

Warum eigentlich nicht? Eure Domain ist doch super um einen URL-Verkürzer Dienst aufzubauen. Ein solches Script ist schnell geschrieben.

Url-Verkürzer machen in meinen Augen nur für Twitter oder SMS Sinn. Obwohl jeder Webseitenbetreiber auch Kurze Links bereitstellen kann. Erst Recht Magazine können über Ihre eigene Webseite die Links Kürzen und entsprechend weiterleiten. Hätte so sogra noch den Effekt, dass sich so der Erfolg eines Offline Artikels messen lässt. So zum Beispiel die Computerbild.

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