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Wie Google bei illegalen eBook Downloads mitverdient

Seit vielen Jahren verkauft Google über seinen Play Store auch eBooks. Der Marktanteil am gesamten digitalen Büchermarkt ist sowohl hierzulande als auch global gesehen sehr überschaubar – anders als beim Thema „Internetsuche“, wo Google klarer Marktführer ist und ebenfalls am Geschäft mit eBooks mitverdient. Allerdings nicht immer ganz sauber.

Wer nach „produktnahen“ Begriffen googelt, bekommt auf der Ergebnisseite einen bunten Mix aus organischen und werblichen Treffern angezeigt, die nur bei genauerem Hinsehen voneinander zu unterscheiden sind. War Werbung in der Vergangenheit noch klar farblich hervorgehoben, entspricht das Layout der Anzeigen inzwischen exakt dem der regulären Suchtreffer. Nur ein kleiner „Anzeige“-Button weist auf den werblichen Charakter hin.

Google verdient doppelt

Ergebnisse für Google-Suche „eBooks“

Bei der Suche nach „eBooks“ liefert Google.de aktuell auf der ersten Ergebnisseite zumeist ganze 7 Werbeanzeigen aus, 4 über und 3 unter den organischen Suchergebnissen. Die Werbung wird geschaltet von Unternehmen wie Amazon, Thalia und eBook.de (Hugendubel), womit Google neben den direkten Umsätzen seiner Buchrubrik im Play Store auch noch beträchtlich indirekt am umkämpften eBook Markt mitverdient. Bei der Auswahl der Werbekunden drückt Google allerdings auch schon einmal beide Augen zu, wie ein Blick auf die aktuellen werblichen Suchergebnisse illustriert.

Seit mindestens Freitag, also seit 3 Tagen, ist bei einschlägigen Suchanfragen mit eBook-Bezug neben den großen Namen auch eine Plattform namens levango.to äußerst präsent. Die Anzeigen der Seite werden fast immer auf der ersten Ergebnisseite angezeigt, häufig ganz oben, über den organischen Suchtreffern. Die Werbe-Slots werden bei Google nach einem Auktions-Algorithmus vergeben – oben gelistet werden primär Werbekunden, die besonders hohe Klickpreise bieten (daneben gibt es weitere Faktoren wie die Klickrate). Zur Orientierung: Google Adwords empfiehlt für den Suchbegriff „eBooks“ aktuell ein Gebot von 0,47 Euro pro Klick, um auf der ersten Seite angezeigt zu werden (wohlgemerkt nicht für die Top-Position).

„Sparen Sie bis 40 %“

Worum geht es  bei Levango? Schon bei der Werbeanzeige gibt es zwei Faktoren, die stutzig machen müssten. Erstens verspricht Levango bei eBooks Ersparnisse „bis 40%“ durch die Einlösung von Gutscheinen. Dass eine solche Rabattierung nicht mit der Buchpreisbindung vereinbar ist, liegt auf der Hand.

Zweitens ist die Domainendung .to bei legitimen Online-Händlern äußerst unüblich, erfreut sich dafür aber seit jeher im Internet-Untergrund großer Beliebtheit, weil die Vergabestelle des Inselstaats Tonga keinen Whois-Dienst anbietet und die Domaininhaber damit anonym bleiben. Die größte illegale Film-Streaming-Seite läuft auf einer .to-Domain (kinox), das größte Warez-Forum (boerse) und auch die größten illegalen eBook-Seiten (lesen, eBook-Hell).

Zahlung nur per Gutschein, „Firmensitz“ in Tonga

20 Euro für einen illegalen Download

Levango ist eine klassische illegale Download-Seite, bei der Interessierte für den Download zu bezahlen haben. Außergewöhnlich – man könnte auch sagen: dreist – ist letztlich nur die Höhe der Verkaufspreise. Während gleichartige Plattformen (im eBook-Kosmos „lul“ mit gleicher Domainendung) nur wenige Cent pro Download verlangen oder sehr günstige Pauschaltarife anbieten, will Levango zumeist die Hälfte bis zwei Drittel der regulären Verkaufspreise haben, die als Streichpreis aufgeführt werden. So werden dann auch schon einmal 20 Euro für Sammelbände verlangt, die bei Amazon, Thalia & Co. für 30 Euro über den virtuellen Tresen gehen.

Als Zahloption bietet Levango nur Gutscheine an. Auch das ist branchenüblich, weil es Ermittlern die Verfolgung des Geldflusses zu den Betreibern erschwert. Gegenwärtig gibt es für die nächsten 100 Anmeldungen eine 10-Euro-Gutschrift, die natürlich auch für eBooks, den einzigen Produkten von Levango, eingelöst werden können.

Eine .to-Domain und ein „Impressum“ in Tonga, Streichpreise für eBooks, Zahlung nur per Gutschein und Boni bei hohen Einzahlungen: Für die Google-Prüfer, die die Werbeanzeigen von Levango händisch freizugeben hatten, wohl alles kein Grund zur Skepsis.

Dreistelliges Werbebudget – pro Tag

Zwar ist Levango für ungeübte Augen sicherlich nicht auf den ersten Blick als illegal erkennbar, nicht zuletzt aufgrund der hohen Preise. Von einem Prüfteam, das exakt für die Erkennung der Legitimität von Anzeigen zuständig ist, sollte das aber schon zu erwarten sein. Im Ergebnis führt Google hier seit Tagen einer illegalen Download-Seite massiv bezahlten Traffic zu und verursacht damit einen beträchtlichen Schaden für die Buchbranche.

Für die aktuelle Präsenz bei hochfrequentierten Suchen muss Levango nach unseren Berechnungen einen Betrag im niedrigen bis mittleren dreistelligen Euro-Bereich an Google überweisen – pro Tag. Und es steht eher nicht zu erwarten, dass der Suchkonzern die von Levango und gleichartigen Plattformen gezahlten Werbegelder später einmal als Entschädigung an betroffene Verlage und Indie-Autoren zurückführt.

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Kommentare


Niels 22. Mai 2017 um 12:43

Kein Levango zu sehen, wenn ich hier suche. Vielleicht hat Google reagiert?

Antworten

Johannes Haupt 22. Mai 2017 um 12:45

Haben sie – bislang – noch nicht, auch jetzt gerade wird mir bei einer Google-Suche nach „eBooks“ noch Levango angezeigt. Ggfs. einfach mal die Ergebnisseite ein paarmal neu laden, es kommen immer neue Anzeigen.

Antworten

Flups 22. Mai 2017 um 16:28

Was sind denn organische Treffer?

Antworten

Johannes Haupt 22. Mai 2017 um 16:49

Fachsprech für alles nicht Werbliche, kurz gesagt https://en.wikipedia.org/wiki/Organic_search

Antworten

Kristina 22. Mai 2017 um 18:34

Beim Suchbegriff „ebooks kaufen“ erscheint auch bei mir levango.to.

Ich finde den Beitrag sehr interessant. Da ich einen Kindle habe, kaufe ich meine E-Books bei Amazon. Ich wusste nicht, dass illegale Downloads so offen angeboten und beworben werden.

Danke für die Büchertipps. Ich habe schon einige Bücher von meiner Wunschliste günstiger erwerben können.

Viele Grüße
Kristina

Antworten

Sven 22. Mai 2017 um 19:26

Das ist schon echt dreist, vor allem die Stelle an der sie sich über Betrug seitens der Kunden beim Bezahlvorgang beschweren.

Eine Frage hätte ich. Wie funktioniert das, dass man mit Amazon Gutscheinen dort bezahlen kann? Ich kaufe dann also bei Amazon geklaute eBooks mit einem Amazon Gutschein?

Fragwürdig finde ich aber auch die Aldi-Werbung: „EBooks günstig kaufen“.

Antworten

Johannes Haupt 23. Mai 2017 um 10:32

>> Ich kaufe dann also bei Amazon geklaute eBooks mit einem Amazon Gutschein?

Kann man so zusammenfassen, ja :) Beim Kauf eines Amazon- oder Google-Gutscheins erhältst du ja „nur“ einen Code, den du dann eben an Levango weitergibst.

Antworten

Christopher Pinske 23. Mai 2017 um 12:06

Kleine Korrektur: Tonga ist eine Insel im Südpazifik, nicht in der Karibik.

Antworten

Johannes Haupt 24. Mai 2017 um 11:37

Danke :)

Antworten

Caren 27. Mai 2017 um 12:19

Meine Frage bezieht sich nicht direkt auf Levango, geht aber wahrscheinlich in die selbe Richtung. Ich bin neulich auf die Seite „ebookostenlos.com“ gestoßen. Hierbei handelt es sich doch vermutlich auch um so eine illlegale Downloadseite. Ich bin einfach mal davon ausgegangen, denn Bestseller, wie die z.b. Bücher von Nele Neuhaus, werden doch ganz sicher nicht einfach so zum kostenlosen Download angeboten. Andererseits findet man aber auch nirgendwo entsprechende Kommentare/Warnungen zu dieser Seite. Das sagte mir einfach mein gesunder Menschenverstand. Mir geht es da wie meiner Vorrednerin Kristina, ich wußte auch nicht, dass illegale Seite so offen angeboten werden (dürfen).
Auch ich möchte mich an dieser Stelle einmal ganz herzlich bei Ihnen für Ihre informativen Newsletter bedanken! Ich freue mich immer regelrecht darauf und habe nebenbei auch schon so manches Buch günstiger bzw. kostenlos erworben.

Antworten

Doro 29. Mai 2017 um 9:59

Ich habs gerade getestet – kein Levango, auch bei mehrfacher Aktualisierung der Fundseiten auf Google.

Vielen Dank für den interessenaten Beitrag – haarsträubend …

Antworten

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